Wer hat es noch satt?

Moderator: Offi

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ChrissiBW
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Wer hat es noch satt?

Beitrag von ChrissiBW » Di 26. Feb 2019, 07:29

Hallo Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nun dauert meine Suche nach einem "geeigneten Tauschpartner" doch schon sehr lange.
In dieser Zeit habe ich viele von Euch kennengelernt und bin über jede einzelne Geschichte/ Schicksal sehr nachdenklich geworden. Ein Kollege muss seine schwer erkrankte Frau pflegen und strebt daher einen Wechsel an.
Eine andere Kollegin ist verheiratet, hat aber mit Ihrem Mann noch nie zusammen leben können. Eine andere Kollegin darf sich noch nicht mal bewerben, weil sie noch
keine Lebzeitbeamtin ist und und und.

Es gibt so viele von UNS, die aus familiären und sozialen Gründen eine länderübergreifende Versetzung anstreben müssen. Eine genaue Statistik über Antrage und Versetzungswünsche in ein anderes Bundesland, gibt es wohl nicht.

Ich habe es langsam satt. Ich will jedoch nicht alles so einfach hinnehmen. Daher meine Frage an EUCH: Wer hat schon mal versucht rechtliche Schritte einzuleiten?
Wer von Euch hat Interesse, ein Schreiben an Politik, Gewerkschaft zu erstellen. Wer hat Interesse UNS in der Öffentlichkeit ein Gesicht zu geben?
Denn ich verstehe nicht, dass wir in einer Globalen Welt, in einer Zeit in der wir über Personalmangel klagen, es lieber in Kaufnehmen, dass Kollegen krank werden, frustriert werden und am Schluss gar Kündigen.
Lasst uns doch zusammen tun und überlegen, wie wir uns Gehör verschaffen können.

Ich freue mich über jede Rückmeldung/ Idee/ Aktion

Eure Chrissi

BaWüWechsler
Beiträge: 8
Registriert: Fr 16. Nov 2018, 14:15

Re: Wer hat es noch satt?

Beitrag von BaWüWechsler » Mo 4. Mär 2019, 12:38

Hallo Chrissi,

Ich verstehe ganz genau was du meinst. Für mich ist es auch vollkommen unverständlich, dass man uns als Polizeibeamte den "Arbeitgeberwechsel" so schwer macht. Überall wird durch die Politik in großen Tönen herumposaunt, dass die Menschen beruflich doch etwas flexibler sein sollen und Wettbewerbe unter den Arbeitgeber die Berufswelt fordert und verbessert usw. Nur den eigenen Leuten legt man nicht nur Steine sondern ganz Berge in den Weg.

Ich habe es inzwischen auch sowas von satt, dass man mich in meinem Grundrecht, der freien Wahl des Arbeitsplatzes massiv beschneidet

Seret2018
Beiträge: 13
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Re: Wer hat es noch satt?

Beitrag von Seret2018 » Mo 24. Jun 2019, 13:16

Hey,

egal in welchen Foren man sich umschaut merkt man, dass es für jedes Bundesland Tauschwünsche gibt.
Evtl. könnte man ja eine Petition (z.B. online) starten?

Beste Grüße

Seret

DennyK
Beiträge: 10
Registriert: Di 28. Jun 2016, 12:17
Wohnort: Bitterfeld-Zörbig

Re: Wer hat es noch satt?

Beitrag von DennyK » Mo 24. Jun 2019, 21:29

Servus in die Runde,

es liegt nicht daran, dass es keine Vorstöße gibt. Mein ehemaliger Präsident meiner Dienststelle hatte sich für mich beim MI von BW schlau gemacht wie es mit einem Wechsel ausschaut. Daraufhin wurde ihm mitgeteilt, dass die "reichen" Bundesländer und der Bund zusammen einen Vorstoß in einem bundesweitem Gremium eingebracht haben sollen, der es vielen von uns erleichtert hätte zu wechseln. Jedoch wurde der Antrag auf Erleichterung von den Bundesländern in denen aufgrund des Föderalismus weniger Gehalt gezahlt wird oder in denen die Arbeitsbedingungen nicht so toll sind (aufgrund von akutem Personalmangel und Einsparungen) blockiert bzw abgelehnt, so dass wir weiterhin beim status quo bleiben.

Gruß

Denny

MiSo17
Beiträge: 2
Registriert: Fr 1. Nov 2019, 15:32

Re: Wer hat es noch satt?

Beitrag von MiSo17 » Mo 4. Nov 2019, 14:20

Hallo Chrissi,
ich kann Dich so gut verstehen. Ich komme ursprünglich aus BW, wo ich auch mein Studium an der FHPol absolviert habe und die ersten Jahre nach dem Studium beim LKA in Stuttgart beschäftigt war. Dann mussten wir aufgrund des Berufs meines Mannes nach Freiburg umziehen. Da bekommt man selbst innerhalb BW nur mit Tausch eine Stelle. Also bin ich erstmal täglich nach Kehl gefahren zum Gemeinsamen Zentrum (80 km einfache Strecke). Das hat sich dann irgendwann erledigt, als ich schwanger wurde. Dann hieß es bei meinem Mann (freie Wirtschaft) irgendwann, er soll nach Paderborn. Ok dachte ich, er verdient deutlich mehr als ich, so ein Länderwechsel kann ja nicht so schwer sein. Da irrte ich. Erstmal hat es fast zwei Jahre gedauert bis ich einen geeigneten Tauschpartner hatte, dann kam der Tag beim Polizeiarzt, vor dem ich schon im Vorfeld große Angst hatte. 2010 habe ich nach einer erfolglosen Bandscheiben OP eine künstliche Bandscheibe bekommen. Seitdem keinerlei Probleme mehr. Den Polizeiarzt hat aber der Status quo nicht interessiert, sondern nur der Passus in der PDV 300, dass Probleme mit der Bandscheibe zur PDU führen. Untersuchung abgebrochen. Ich zur Anwältin. Was folgte war ein vier Jahre währender Rechtsstreit. Immer wieder musste ich mir von diversen Personen anhören, ich sei ja nicht gezwungen, nach NRW zu kommen, ich hätte ja einfach in BW bleiben können. Klar, verheiratet und mit Kindern (in der Zwischenzeit kam noch ein zweites dazu) ist das ja so einfach😤. Ich habe mich oft gefragt, in was für einer Welt ich eigentlich lebe. Sehr unverschämt und verletzend fand ich die Äußerungen oftmals. Am Ende kurz vor Verhandlungstermin hat man mir dann die Möglichkeit gegeben, erneut zum Polizeiarzt zu gehen (demselben wie beim ersten Mal), er sollte die Bandscheibe ausklammern und alles andere untersuchen, da diese Prothese eine gesunde Bandscheibe voll ersetzt und ca. eine Lebensdauer von 80 Jahren hat. Dann hat es endlich geklappt und ich darf seit 2,5 Jahren in NRW arbeiten. Pervers war auch, dass ich das Land BW verklagen musste, weil das abgebende Land die Versetzung verfügt. Da fasst man sich auch an den Kopf. Momentan läuft noch eine Schadenersatzklagen, da ich mich ca. 2 Jahre komplett privat krankenversichern musste und so weiter. Und wieder lese ich dieselben Sätze wie damals. Ich hätte ja in BW bleiben können, keiner hat mich gezwungen, nach NRW zu kommen usw.
und nun ist der worst case überhaupt eingetreten. Mein Mann wurde befördert und soll höchst wahrscheinlich wieder zurück nach BW. Und ich habe keine Ahnung, was ich nun machen soll, weil ich vermutlich keinen Tauschpartner finde und ob das Land NRW mich gehen lässt, keine Ahnung. Momentan mache ich mir tatsächlich Gedanken darüber, alles an den Nagel zu hängen und mit meinen 40 Jahren doch nochmal was anderes zu studieren. Und das obwohl ich Polizistin aus Leib und Seele bin. Ich konnte mir nie was anderes vorstellen und liebe meinen Job und das besondere Verhältnis unter Kollegen. Aber eine Fernbeziehung auf Dauer mit der Entfernung und zwei Kindern. Kann man das vor allem seinen Kindern antun? Und alleinerziehend im Schichtdienst (K-Wache), auch schwierig. Ich bin gespannt was auf mich zukommen wird und ob es eine Lösung gibt. Im Internet finde ich überhaupt gar nichts dazu ob jemand schonmal zurück gewechselt hat, auch in den Foren werde ich diesbezüglich nicht wirklich fündig. Ich finde es heutzutage auch so überhaupt nicht mehr in Ordnung, dass wir als Landesbeamten so dermaßen „gefangen“ sind und die Chancen auf Veränderung gegen Null gehen. Das ist nicht zeitgemäß wenn man bedenkt, dass in der freien Wirtschaft Flexibilität das A und O ist. Da müsste sich definitiv etwas tun. Und es ist ja nicht mal so, dass es an TauschPartnern mangelt, überall will ja jemand weg und woanders hin. Das ist alles extrem überbürokratisiert und verkompliziert uns Beamten das Privatleben ungemein. Ich bin gespannt, ob sich vielleicht noch Kollegen finden, die eine ähnliche Geschichte haben wie ich und ob mir jemand Tipps geben kann, mit der neuen Situation jetzt umzugehen.

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